eLearning-Plattform Moodle ohne Datenschutzrisiko nutzen
30. MaieLearning ist eine feine Sache. Man spart sich viele Wege, lernt in seinem eigenen Tempo, kann Passagen überspringen, die einen nicht interessieren oder einfach Begriffe nachschlagen ohne dass während dessen der Vortrag weiter läuft. Nur scheinen sich manche Entwickler solcher eLearning-Plattformen der durchaus wichtigen Datenschutzdebatten bislang entzogen haben. Anders lässt es sich nicht erklären, warum die Entwickler der Plattform Moodle ein Reportingtool programmiert haben, welches Statistiken über Kurse nicht anonym, sondern personenbezogen erstellt. Im Klartext: Moodle protokolliert jeden Klick jedes einzelnen Benutzers: Kursbesuch, Forumaktivität, Profiländerungen usw. Dies ist so nicht hinnehmbar.
Z. B. das Thüringer Datenschutzgesetz (ThürDSG) erlaubt, personenbezogene Daten zu erheben und zu verarbeiten, wenn es zur rechtmäßigen Aufgabenerfüllung der Universität in der Ausbildung von Studenten dient (§§ 19 und 20 ThürDSG). Doch leuchtet in diesem Fall die Notwendigkeit der personenbezogenen Daten in keiner Weise ein. Eine einfache Statistik würde völlig ausreichen. Deshalb an dieser Stelle eine Kurzanleitung, wie man sich in Moodle anonymisiert.
- Ziel ist es, ein Rauschen zu erzeugen. Das heißt, die Daten der Statistik so zu manipulieren, dass sie letztendlich keinen Aufschluss über einzelne Personen zulassen. Dazu ist es sinnvoll, dass sich alle Teilnehmer einer Moodle-Plattform den gleichen Namen geben.
- Einloggen bei Moodle mit Benutzernamen und Passwort
- In der oberen rechten Webseiten-Ecke auf den eigenen Namen klicken. Man kommt nun zu seinem Profil
- Auf Profil bearbeiten klicken
- Wir wollen uns alle Susanne Lehmann nennen. Dies unter Vor- bzw. Nachname eintragen
- Als eMail-Adresse eignet sich immer hervorragend bla@aol.com – sucht Euch irgendeine beliebige eMail-Adresse aus
- Unter Ort kann der Ort der Uni stehen bleiben. Das ist ja kein Geheimnis
- Bei der Beschreibung reicht die Eingabe eines Leerzeichens
- Nach unten scrollen und auf Profil aktualisieren klicken
Das war’s. Jetzt kann niemand mehr Rückschlüsse auf Dich ziehen. Im Forum kannst Du selbstverständlich weiterhin posten. Natürlich jetzt unter neuem Namen.
Noch was: Moodle bietet keine Möglichkeit das eigene Profil automatisch zu löschen. Wenn Du Dein Profil gelöscht haben möchtest, musst Du dazu eine Mail an den Administrator schicken.
Datenschutz – um jeden Preis?
21. Jan“Ich habe nichts zu verbergen!” – ein Satz, der jeden engagierten Datenschützer zum rasen bringt. Natürlich hat der rechtbewusste Bürger nichts zu verbergen. Rechtfertigt diese Tatsache noch lange nicht, seine Daten preisgeben zu müssen, erst recht nicht, um damit übermotivierten Politikern die Nahrung für den gläsernen Bürger zu liefern. Die Unschuldsvermutung gilt auch zu Zeiten von Internet und modernem “social networking”. Nur scheinen manche engagierte Hüter des Datenfriedens in ihrer Meinung eine Mission zu sehen und ihr Prinzip ohne Verstand zu verteidigen.
Beschäftigt man sich mit Weblogs, passiert man früher oder später die Thematik Impressumspflicht nach § 5 Telemediengesetz (TMG) und § 55 Staatsvertrag über Rundfunk und Telemedien (RStV). Daraus geht hervor, dass man als Betreiber eines Weblogs dazu verpflichtet ist, ein Impressum anzugeben, aus dem ersichtlich ist, wer für die Inhalte des Weblogs verantwortlich ist.
Fragt man verschiedene Experten aus der Branche (z.B. SpOn-Interview), so wird das Networking auf Basis des Internets in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. In meinen Augen ist es deshalb absolut notwendig, dass in der gegenwärtigen Ausbildung auf diesen Trend nicht nur hingewiesen wird, sondern Applikationen aus der modernen Welt getestet und ausprobiert werden müssen. Dieser Idee folgte auch (m)ein Tutor und Promotionsstudent der TU Ilmenau und lud alle Studierende des Faches “Elektronische Dokumente” dazu ein, sich einen Weblog anzulegen, um ihn als E-Portfolio zu nutzen (siehe auch Warum ein E-Portfolio?).
Nun gibt es allerdings Kommilitonen, die es immer wieder verstehen, durch denunziantische Paragraphenreiterei mit dem Hinweis auf das Grundrecht der informellen Selbstbestimmung den Lehrenden jede Grundlage zu nehmen, sich und die Studierenden progressiv an die Welt der neuen und modernen Medien heranzuführen. Diese Personen müssen sich einfach darüber bewusst sein, dass ihre Haltung unterhaltsamen, zukunftsorientierten Unterricht unmöglich macht.
Hinzu kommt, dass die häufig geprädigte Unschuldsvermutung einfach mal frech umgedreht wird. Denn die engagierte Universität, wird – vertreten durch den Dozenten – pauschal dazu verurteilt, Daten erhaschen zu wollen und den Studierenden unüberlegt ihre personenbezogenen Daten ins Internetnirvana zu schicken. Schon mal überlegt, dass diese Idee des Weblogs der Zukunftsorientierung dient und dass Informationen über Name und Adresse in etwa so sensibel, wie Hornhaut der Füße meines Urgroßvaters sind?
Ich möchte mich ganz klar dafür aussprechen, auch weiterhin (nicht nur an unserer Universität) neue Medien zu lehren und Studenten dazu zu animieren, diese auch in der Praxis zu verwenden. Jeder kann sich immer noch dazu entscheiden, sie später nicht zu nutzen.
