re:publica 2010 – ein überfülltes, erwachsen gewordenes Klassentreffen
19. Apr
Drei Tage re:publica mit 23 besuchten Workshops und Vorträgen, vielen guten Gesprächen und viel Club Mate liegen hinter mir. In ein paar Sätzen will ich mal meinen Eindruck rekapitulieren:
- Überfüllt: Die Teilnehmerzahl von 2.500 Leuten ist ein Indiz für Relevanz des Themas aber auch eine Masse, die erst mal bewältigt werden muss. Auch mit Hinzunahme einer weiteren Location, dem Quatsch Comedy Club, war es einfach zu voll. Wir haben mit der Menge die Grenze des qualitativ Möglichen überschritten. Nächstes Mal bitte wieder 1.000 Tickets weniger verkaufen. Qualität vor Quantität.
- Erwachsen: Ich bin ganz froh, dass die Teilnehmer „des größten deutschen Klassentreffens“ das selbstreferenzielle System langsam verlassen. Wo letztes Jahr noch viel Erklärung und Rechtfertigung anzutreffen waren, kam dieses Jahr Kritik und Selbstreflexion hinzu. Ich kann das nur begrüßen, denn die Materie wird hierdurch glaubwürdiger. Hoffentlich nehmen die vielen Teilnehmer die Kritik von Jeff Jarvis, Peter Kruse und Miriam Meckel mit nach Hause und fangen an, sie zu berücksichten und umzusetzen. Das Social Web ist an einer Stufe, langsam erwachsen zu werden. Das hat die diesjährige re:publica gezeigt. Es wäre schön, wenn diese Botschaft fernab jeder übertriebenen Euphorie an die Kritiker weitergetragen wird.
- Gespielt: Apples iPad. Ich durfte es für einige Minuten in den Händen halten und damit spielen. Ja, und ich glaube, sollte ich es mein eigen nennen könnte ich 24 Stunden Spaß damit haben.
- Getroffen: Natürlich. Ein nicht zu verachtender Grund für die Reise nach Berlin im April ist das „Klassentreffen“. In den Monaten zwischen den re:publicas habe ich wieder unzählige Leute über digitalen Netzwerke kennengelernt und nun in echt getroffen. Das Ergebnis waren viele verpasste Slots, dafür tolle Gespräche. Danke an @annellchen, @puppiges, @lenn4rd, @strawberrylin, @dennisfrank, @pfandtasse, @timpritlove, @jojo, @peterlih, @jovelstefan, @oliverberger, @nerotunes, @pudo, @_jk und all die vielen anderen, die mir jetzt nicht eingefallen sind oder deren Twitternick ich mir nicht merken konnte
Ein Herz für Blogs
21. AprKai Müller vom stylespion kommt mal wieder mit einer schönen Idee um die Ecke: Heute, am 21.04.2009, veröffentlichen alle Blogs die mögen ihre Favorites in der deutschsprachigen Bloglandschaft. Hier habe ich mal drei Favorites aus meinem Feedreader gegriffen, alpha-Blogger werden ignoriert.
Pudoblog
Friedrich Lindenberg, Student der Angewandten Medienwissenschaft in Ilmenau (genau wie ich) beschäftigt sich unregelmäßig, dann aber tiefgründig mit Medienthemen, wie der (Un-)Sinn von twitter. Dabei geht er auch gerne mal hypothetisch vor und lässt sich nicht von vorgegebenen Denkmustern einschränken. Wer mal über den Tellerrand schauen möchte oder Denkanstöße sucht, sollte hier vorbeischauen.
Web 2.0 & Recht von Dr. Carsten Ulbricht
Dr. Ulbricht habe ich auf dem BarCamp Jena 2007 kennengelernt, wo er eine sehr aufschlussreiche Session über die Reichweite von Haftung deutscher Blogger sprach. Sein Blog behandelt ebenfalls solche Themen, die durchweg einen gut recherchierten und fundierten Eindruck machen. Ich bin wahlig kein Jurist, weshalb mein Urteil sicher nicht allgemein gültig ist. Aber Zusammenhänge und Quellen geben immer wieder Anstoß zum Nachdenken und recherchieren. Wusstet Ihr z.B. schon von der Unternehmergesellschft (UG), welche die deutsche ur-GmbH reformieren soll und seit Juni 2008 existiert?
St. Oberholz
Eigentlich schade, dass den Gästen der einschlägigen Medienszenekneipe in Berlin, dem St. Oberholz, so wenig verloren geht. Sonst hätten die Macher des Blogs nämlich mehr zu schreiben und ich mehr zu lachen. In wunderbaren Anekdoten und ersponnenen Geschichten zu den Fundstücken der Gäste schreiben hier die Leute vom St. Oberholz.
CC-Lizenz in bezahlten Auftragsarbeiten?
16. JanCreative Commons License 3.0
Die besten Ideen kommen der Legende nach in der Kneipe. In der Pappbecher-Gesellschaft wahlweise auch im Coffeeshop. Vielleicht ist was dran, denn bei einer Kneipenunterhaltung mit Pudo neulich, brachte er mich auf die Idee, meine “Werke” wieder zurück in den Kreislauf zu geben. Mittlerweile sind insbesondere einige WordPress-Themes aus meiner Feder entsprungen. Eigentlich halte ich es für sinnvoll, diese Werke auch anderen zugänglich zu machen. Dieses tu ich nun zu erst mit diesem Blog.
Die moderne Lösung für die Zusammenarbeit im kreativen Kreislauf nennt sich Creative Commons. Die Non-Profit Organisation arbeitet seit 2001 daran, weltweit einheitliche Lizenzmodelle zu entwerfen, unter denen man eigene Werke veröffentlichen kann. Ziel ist es, kreative Werke zur weiteren Benutzung zugänglich zu machen. Für dieses Blog ist das ohne Frage ein mögliches Modell, was ich auch ab sofort für sinnvoll erachte.
Arbeit aus Kundenaufträgen ebenfalls mit CC-Lizenz?
Die Frage, die sich mir momentan aufdrängt, ist, inwieweit ich Auftragsarbeit von Kunden auch unter CC-Lizenz setzen kann. Hier trifft man auf ein Interessenkonflikt. Zum einen ich als Agentur, welche die kreative Arbeit durchführt, dafür bezahlt wird und durchaus ein Interesse daran haben könnte, dass sich Ideen verbreiten – und das auf regulierte Art und Weise. Wenn bspw. ein Design geklaut wird, ist das ärgerlich. Wenn wenigstens der Urhebername darunter steht, könnten darüber neue Kontakte entstehen.
Die andere Seite ist der Kunde. Es gibt bestimmt viele Kunden, welche die Exklusivrechte an einem Werk halten wollen. Erst recht, wenn er dafür gezahlt hat. Rechtlich unmöglich ist es, von Seiten der Agentur ohne Abstimmung auf eine Kundenwebsite das Design unter eine CC-BY-SA-Lizenz zu setzen.
Man müsste sich von vorn herein über die weitere Verwendung der Werke mit dem Kunden einigen. Und Ziel sollte es sein, nicht alle Rechte beim Urheber zu belassen. Deshalb die Frage: Gibt es Modelle, wie man sich in einem Angebot an den Kunden von vorn herein auf eine CC-Lizenz festlegt unter der das Werk zukünftig veröffentlicht wird? Wer hat da Erfahrung?
BarCamp Berlin 3
17. OktDann will ich mal der ausdrücklichen Bitte von Frau antischokke nachkommen und das heute Abend mit der Welcomeparty beginnende BarCamp Berlin 3 begleiten. Ich bin gespannt:
- Kommt der BarCamp-Flair auch bei über 600 Personen auf?
- Wird auf diesem internationalen BarCamp wirklich englisch gesprochen? (ich glaube nicht)
- Gibt es wieder viele interessante neue Kontakte?
- Halte ich diesmal eine Session?
Also, ich werde berichten. Let’s BarCamp!
Datenschutz – um jeden Preis?
21. Jan“Ich habe nichts zu verbergen!” – ein Satz, der jeden engagierten Datenschützer zum rasen bringt. Natürlich hat der rechtbewusste Bürger nichts zu verbergen. Rechtfertigt diese Tatsache noch lange nicht, seine Daten preisgeben zu müssen, erst recht nicht, um damit übermotivierten Politikern die Nahrung für den gläsernen Bürger zu liefern. Die Unschuldsvermutung gilt auch zu Zeiten von Internet und modernem “social networking”. Nur scheinen manche engagierte Hüter des Datenfriedens in ihrer Meinung eine Mission zu sehen und ihr Prinzip ohne Verstand zu verteidigen.
Beschäftigt man sich mit Weblogs, passiert man früher oder später die Thematik Impressumspflicht nach § 5 Telemediengesetz (TMG) und § 55 Staatsvertrag über Rundfunk und Telemedien (RStV). Daraus geht hervor, dass man als Betreiber eines Weblogs dazu verpflichtet ist, ein Impressum anzugeben, aus dem ersichtlich ist, wer für die Inhalte des Weblogs verantwortlich ist.
Fragt man verschiedene Experten aus der Branche (z.B. SpOn-Interview), so wird das Networking auf Basis des Internets in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. In meinen Augen ist es deshalb absolut notwendig, dass in der gegenwärtigen Ausbildung auf diesen Trend nicht nur hingewiesen wird, sondern Applikationen aus der modernen Welt getestet und ausprobiert werden müssen. Dieser Idee folgte auch (m)ein Tutor und Promotionsstudent der TU Ilmenau und lud alle Studierende des Faches “Elektronische Dokumente” dazu ein, sich einen Weblog anzulegen, um ihn als E-Portfolio zu nutzen (siehe auch Warum ein E-Portfolio?).
Nun gibt es allerdings Kommilitonen, die es immer wieder verstehen, durch denunziantische Paragraphenreiterei mit dem Hinweis auf das Grundrecht der informellen Selbstbestimmung den Lehrenden jede Grundlage zu nehmen, sich und die Studierenden progressiv an die Welt der neuen und modernen Medien heranzuführen. Diese Personen müssen sich einfach darüber bewusst sein, dass ihre Haltung unterhaltsamen, zukunftsorientierten Unterricht unmöglich macht.
Hinzu kommt, dass die häufig geprädigte Unschuldsvermutung einfach mal frech umgedreht wird. Denn die engagierte Universität, wird – vertreten durch den Dozenten – pauschal dazu verurteilt, Daten erhaschen zu wollen und den Studierenden unüberlegt ihre personenbezogenen Daten ins Internetnirvana zu schicken. Schon mal überlegt, dass diese Idee des Weblogs der Zukunftsorientierung dient und dass Informationen über Name und Adresse in etwa so sensibel, wie Hornhaut der Füße meines Urgroßvaters sind?
Ich möchte mich ganz klar dafür aussprechen, auch weiterhin (nicht nur an unserer Universität) neue Medien zu lehren und Studenten dazu zu animieren, diese auch in der Praxis zu verwenden. Jeder kann sich immer noch dazu entscheiden, sie später nicht zu nutzen.


