Angeregt durch diesen Artikel.
Auf dem EduCamp Mitte April wurde ich von mehreren Leuten unabhängig gefragt, was eigentlich das Besondere an einem BarCamp sei. Hinzu kam, dass ich die eigentliche BarCamp-Eröffnung machte und den Teilnehmern kurz erläuterte, wie der Ablauf mit Session usw. ist. Wie so ein BarCamp “handwerklich” abläuft (Sessionplan, persönliche Vorstellung mit drei Tags usw.) ist schnell erklärt. Wie man jedoch aus einem BarCamp den größten Mehrwert zieht, das bedarf eines etwas tieferen Nachdenkens.
Zu erst müssen die Voraussetzungen einmal geklärt werden. Nehmen wir ruhig das EduCamp als Beispiel. Die Erwartung an hohes Output waren hier, im Vergleich zu einem “konventionellen” BarCamp, hoch. Und das ist auch schon der erste entscheidende Punkt. Auf dem BarCamp wurde unter anderen von J.-P. Martin laut, dass er sich gewünscht hätte, dass die Partizipation und die Diskussion schon im Vorwege über irgendwelche beliebigen web2.0igen Anwendungen stattgefunden hätte. Das hieße, das die Themen allesamt schon hinreichend diskutiert worden wären und das BarCamp lediglich die Spitze des Eisberges dargestellt hätte.
Diese Herangehensweise ist uneffektiv. Sie verlangt, dass alle Teilnehmer ab, sagen wir, 30 Tage vor dem BarCamp intensiv in Foren oder Wikis einlesen und mitdiskutieren. Vorteil:
- Die Diskussionen auf der Veranstaltung selbst könnten vermutlich sehr viel weiter oben einsteigen.
Nachteile:
- Die Teilnehmer, die sich nicht intensiv eingelesen haben, hätten Schwierigkeiten zu folgen,
- die Diskussionen würden aller Wahrscheinlichkeit nach eh noch einmal von vorne beginnen und
- (das Schlimmste): der Sinn der Sessions ginge völlig verloren. Teilnehmer müssten sich konsequenterweise schon vor dem BarCamp festlegen, welche Sessions sie besuchen. Zum einen geht die Flexibilität verloren, zum anderen wäre es schwierig auf spontane Neuangebote zu reagieren
Um einen gemeinsamen Nenner zu finden, müsste der Anspruch an eine Session erst einmal geklärt werden. Eine Session dauert in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten. Diese Länge ist sinnvoll, um möglichst viele Themen an einem Tag unterzubringen. Und genau hier steckt der “Casus Knacktus”. Es geht zuerst einmal um die Quantität, möglichst viele Themen an einem Tag oberflächlich anzuschneiden. Durch eine Session finden sich interessierte Leute zusammen, tauschen sich grob aus und finden bestenfalls einen gemeinsamen Diskussionsansatz. Es kann aber in 45 Minuten gar nicht der Anspruch existieren, einen möglichst großes Output, möglicherweise ein Ergebnis zu erzielen. Die Zeit reicht eben “nur” für das Knüpfen wichtiger Kontakte.

Genau hier setzt die eigentliche “Partizipation” ein. Angemessene Plattformen, wie z.B. Mixxt, ermöglichen den Teilnehmern, sich nachhaltig zu vernetzen, Themen aufzugreifen, zu diskutieren und hierdurch Output in Form konkreter Ergebnisse zu realisieren. Die Verwendung persönlicher Blogs ist wegen der Dezentralisierung der Themen als kritisch zu betrachten.
Da bei den meisten BarCamp-Organisationen Themenvorschläge schon im Vorfeld geäußert werden, sollte diese Gelegenheit genutzt werden, um für die jeweilige Session eine Wiki-Seite anzulegen. Während der jeweiligen Session tragen sich die Teilnehmer in die Wiki-Seite ein und notieren Ausgangspunkte für Diskussionen. So erstellt man möglichst früh und effektiv eine Basis für die eigentliche Vielfalt, die nach einem BarCamp erst entstehen kann.
Dieses Thema sollte in Zukunft bei (vor allem bei themenorientierten) BarCamps sehr viel mehr kommuniziert werden, um von vorn herein den Teilnehmern eine möglichst effektive Veranstaltung zu gewährleisten. Der Ansatz gegenüber einer konventionellen Konferenz ist ein anderer. Die Denkweise, das Internet zu mehr, als zum Buchen von Billigflügen zu benutzen hat sich bei vielen Internetnutzern noch nicht durchgesetzt.