Bekannt, sozial, verstorben.
Bekannt, sozial, verstorben.
11. Mai
Was tun, wenn einem Xing ankündigt, ein Kontakt habe bald Geburtstag, man aber weiß, dass dieser Kontakt vor kurzem bei einem tragischen Sportunfall ums Leben kam?
Auf der re:publica wurde dieses Thema während des Laberflashmobs noch scherzhaft thematisiert: Was tun, wenn mein Kontakt eines sozialen Netzwerkes verstirbt? Ich denke, nur weil das Publikum ausreichend jung war, war es möglich hierüber so scherzhaft zu debatieren. Ich fands auch lustig, obwohl – kein Scherz – ich an just diesem Morgen von dem Tod meines Bekannten erfahren hatte. Vermutlich eine Abwehrreaktion.
Der Gedanke ist auch absurd. Die Kontakte in der Timeline, auf facebook und Xing sind virtuell, trifft man sie in echt, sind sie es nicht mehr. Dass sich dieses Verhältnis verändern kann, kommt einem nicht in den Sinn. Plötzlich ist ein Kontakt nur noch virtuell. Die Unmöglichkeit des realen Erscheinens impliziert ein Social Network nicht und wenn doch, wird ein Profil gerne als “Fake” abgestempelt und gelöscht.
Was also tun mit Profilen verstorbener Leute? Löschen, weil es keine reale Person dahinter gibt? Den Betreiber der Plattform informieren? Aber man schmeißt doch die Fotos des Freundes auch nicht weg nach dessen Tod. Man behält sie, in stiller Erinnerung. Von mir gibt es im Netz mindestens genau so viele Fotos, wie in der Fotokiste meiner Mutter. Was, wenn mich das Zeitliche segnet? Ein großer Teil meines Ichs wären nur noch online verfügbar.
Aber was passiert in 100 Jahren? Dann sind wir, die das hier lesen, alle tod. Unsere Abermillionen Profile, die wir in mühevoller Kleinstarbeit angelegt und gepflegt haben, sind plötzlich nur noch virtuelle Relikte unserer selbst. Vielleicht sollte eine Konvention geschaffen werden, dass jedes neu geschaffene digitale soaziale Netzwerk einen virtuellen Friedhof bereithalten muss. Damit wir in Gedenken an unsere verstorbenen Freunde und Vorfahren, ihre bunten Profile dort niederlegen können.

Das ist eine gute Frage. Vielleicht sollte man den Mut finden diese loszulassen und diese dementsprechend zu löschen. Verweise von dir auf diesen Menschen (welche nicht gelöscht werden sollten) führen dann an eine Netzwerkstelle, die nicht mehr existent (besetzt) ist. Das Profil würde ich wohl löschen, die Aktionen des Users hingegen nicht, da diese Auswirkungen auf andere etc. haben/hatten.
Danke für Deine Einschätzung, Jana! Um eine völlige Verwahrlosung der Netzwerke zu verhindern, ist eine Löschung wohl sinnvoll. Was mich daran stört, ist das “Wegwerfen” wie ein Ding. Und genau das ist es ja nicht. Es ist ein Werk eines Menschens, mehr noch: ein Profil. Wir, die uns alle als Lebendige des Internets verstehen sagen an dieser Stelle auf einmal “Halt! Ab hier sammeln wir nur noch Fotos auf Papier”?
In meinem Adressbuch gibt es eine Nummer, die ich nie mehr anrufen werde. Die Nummer einer verstorbenen Freundin. Wieso also nicht löschen? Weil jedes mal wenn ich über diesen Namen „stolpere“, ich an diese Person denke, und wenn auch nur für zwei Sekunden. Ich bin sehr froh darüber. An ihrem Grab war ich seit 10 Jahren nicht mehr.
Was würde denn die Erinnerung lebendiger halten als die eigenen Bilder und Gedanken dieser Person. Ich finde das nicht pietätlos. Auf Plattformen, die dazu dienen, dass Menschen in Kontakt bleiben, sollen die Toten gelöscht werden?
Facebook wird uns sicherlich nicht überleben. Es gibt schlimmeren Datenmüll, als die Erinnerungen an verstorbene Freunde…
Das von dir angesprochene Thema hat sich bereits als Marktlücke aufgetan. Es gibt “Verwaltungsagenturen” für online Zugänge, die sich im Todesfall um deine Accounts kümmern könnten.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,613708,00.html
Dank solcher Agenturen hat man zumindest die Möglichkeit im Vorwege selber Maßnahmen zu ergreifen.
Ich stimme Ben auch zu: Die Nummer eines Verstorbenen in meinem Handy-Adressbuch, lässt meine ERinnerungen regelmäßig wieder aufblühen. Missen möche ich das nicht.
Jemanden von den Freunden zu löschen, der gestorben ist, ist meiner Meinung nach ok; ist der Onlinekontakt der einzige gewesen, stand man sich ohenhin nicht sehr nah, und war man doch eng verbunden, werden sich auch in der realen Welt Dinge finden, die einen aneinander erinnern und noch verbinden. Auch finde ich, was mit den Webauftritten einer Person geschieht, gehört ins moderne Testament. Egal ob eine Verwaltungsagentur oder die Familie das erledigt – wenn ich sterbe, will ich außer meiner Homepage (Fotos, Blogeinträge, Gedanken) alle meine Social Media Seiten entfernt haben und dafür soll man mich auf Facebook dann ‘Liken’ können