re:publica’09 – ein re:view zu Bundesdatenschutzbeauftragten Schaar

re:publica’09 – ein re:view zu Bundesdatenschutzbeauftragten Schaar

07. Apr
re:publica’09 – ein re:view zu Bundesdatenschutzbeauftragten Schaar

Das war sie also, die re:publica’09. Ich fuhr hin mit großen Erwartungen, geweckt durch die vielen bunten Berichte und multimedialen Schmankerl aus dem letzten Jahr. An unterschiedlichen Stellen wurde schon ausführlich über die Bloggerkonferenz berichtet. Ich kann mich größtenteils der Meinung anschließen, dass die diesjährige re:publica erst etwas an Fahrt gewinnen musste, um interessant zu werden, am zweiten und dritten Tag allerdings einige nachhaltige Highlights vorzuweisen hatte.

Für mich stand im Vordergrund viele Leute wieder zu sehen und den Konferenz-Highlights wie Cory Doctorow, Jimbo Wales und Lawrence Lessig zu lauschen. Insofern waren die Tage für mich erfolgreich.

Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar (c) re:publica

Auf einen Vortrag möchte ich noch mal genauer eingehen: Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar zur aktuellen Lage in Deutschland. Herr Schaar eröffnete den zweiten Tag mit einer Ansprache im Friedrichstadtpalast und den Worten, dass der Datenschutz mal wieder in der Presse sei und das nicht deshalb, weil er besonders gut funktioniere. Sehr richtig. Die aktuelle Situation in Deutschland zeichne sich vor allem durch zahlreiche Baustellen aus. Die hälfte seines Vortrags sprach Schaar über veruntreute Bankdaten, Bonuskarten und Mitarbeiterüberwachung in Unternehmen (gähn). Mit offenbar gutem Grund ging er nur knapp auf die aktuelle Situation des Datenschutzes in der Weblandschaft ein. Die Vorratsdatenspeicherung sei keine Lösung, er wolle ebenfalls keine Zensur durch Sperrung von Webseiten. Auch erkannte er, dass es nicht ausreiche einen Datenschutzgipfel einzuberufen und verwies das Publikum auf ihre Bundestagsabgeordneten, um diesen das Interesse an Datenschutz mitzuteilen.

Grundsätzlich ist es erfreulich, dass Schaar eine nachhaltige Lösung fordert, nämlich durch mehr Bildung im Informationszeitalter zu lehren, dass der Umgang mit Daten zu gestaltet werden soll, dass ein Risiko minimiert wird. Wie dies jedoch konkret aussehen könnte, blieb Schaar den Zuhörern schuldig. Eine erste konkrete Forderung kam von Tim Pritlove (Chaos Radio Express), der sich aus dem Publikum zu Wort meldete, eine Art DRM-System für persönliche Daten einzuführen. Dies lehnte Schaar mit der Begründung ab, dass dies zu kompliziert sei und außerdem dafür eine zentrale Stelle für Daten-Authentifizierung geschaffen werden müsste.

Leider nutzte Schaar seine Rede nicht, um sich mit konkreten Vorschlägen oder Forderungen an die versammelte Webworkerschaft zu wenden. Sieht also leider so aus, als müssten wir erstmal weiter mit Vorratsdatenspeicherung, Onlinedurchsuchung, personalisierter Werbung und Spam leben.

Photo under CC BY-NC by Daniel Seiffert

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