HANNESMEHRING

Wie maximiere ich meinen Mehrwert bei BarCamps?01.05.08

Angeregt durch diesen Artikel.

Auf dem EduCamp Mitte April wurde ich von mehreren Leuten unabhängig gefragt, was eigentlich das Besondere an einem BarCamp sei. Hinzu kam, dass ich die eigentliche BarCamp-Eröffnung machte und den Teilnehmern kurz erläuterte, wie der Ablauf mit Session usw. ist. Wie so ein BarCamp “handwerklich” abläuft (Sessionplan, persönliche Vorstellung mit drei Tags usw.) ist schnell erklärt. Wie man jedoch aus einem BarCamp den größten Mehrwert zieht, das bedarf eines etwas tieferen Nachdenkens.

Zu erst müssen die Voraussetzungen einmal geklärt werden. Nehmen wir ruhig das EduCamp als Beispiel. Die Erwartung an hohes Output waren hier, im Vergleich zu einem “konventionellen” BarCamp, hoch. Und das ist auch schon der erste entscheidende Punkt. Auf dem BarCamp wurde unter anderen von J.-P. Martin laut, dass er sich gewünscht hätte, dass die Partizipation und die Diskussion schon im Vorwege über irgendwelche beliebigen web2.0igen Anwendungen stattgefunden hätte. Das hieße, das die Themen allesamt schon hinreichend diskutiert worden wären und das BarCamp lediglich die Spitze des Eisberges dargestellt hätte.

Diese Herangehensweise ist uneffektiv. Sie verlangt, dass alle Teilnehmer ab, sagen wir, 30 Tage vor dem BarCamp intensiv in Foren oder Wikis einlesen und mitdiskutieren. Vorteil:

  • Die Diskussionen auf der Veranstaltung selbst könnten vermutlich sehr viel weiter oben einsteigen.

Nachteile:

  • Die Teilnehmer, die sich nicht intensiv eingelesen haben, hätten Schwierigkeiten zu folgen,
  • die Diskussionen würden aller Wahrscheinlichkeit nach eh noch einmal von vorne beginnen und
  • (das Schlimmste): der Sinn der Sessions ginge völlig verloren. Teilnehmer müssten sich konsequenterweise schon vor dem BarCamp festlegen, welche Sessions sie besuchen. Zum einen geht die Flexibilität verloren, zum anderen wäre es schwierig auf spontane Neuangebote zu reagieren

Um einen gemeinsamen Nenner zu finden, müsste der Anspruch an eine Session erst einmal geklärt werden. Eine Session dauert in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten. Diese Länge ist sinnvoll, um möglichst viele Themen an einem Tag unterzubringen. Und genau hier steckt der “Casus Knacktus”. Es geht zuerst einmal um die Quantität, möglichst viele Themen an einem Tag oberflächlich anzuschneiden. Durch eine Session finden sich interessierte Leute zusammen, tauschen sich grob aus und finden bestenfalls einen gemeinsamen Diskussionsansatz. Es kann aber in 45 Minuten gar nicht der Anspruch existieren, einen möglichst großes Output, möglicherweise ein Ergebnis zu erzielen. Die Zeit reicht eben “nur” für das Knüpfen wichtiger Kontakte.

BarCamp schematisch

Genau hier setzt die eigentliche “Partizipation” ein. Angemessene Plattformen, wie z.B. Mixxt, ermöglichen den Teilnehmern, sich nachhaltig zu vernetzen, Themen aufzugreifen, zu diskutieren und hierdurch Output in Form konkreter Ergebnisse zu realisieren. Die Verwendung persönlicher Blogs ist wegen der Dezentralisierung der Themen als kritisch zu betrachten.

Da bei den meisten BarCamp-Organisationen Themenvorschläge schon im Vorfeld geäußert werden, sollte diese Gelegenheit genutzt werden, um für die jeweilige Session eine Wiki-Seite anzulegen. Während der jeweiligen Session tragen sich die Teilnehmer in die Wiki-Seite ein und notieren Ausgangspunkte für Diskussionen. So erstellt man möglichst früh und effektiv eine Basis für die eigentliche Vielfalt, die nach einem BarCamp erst entstehen kann.

Dieses Thema sollte in Zukunft bei (vor allem bei themenorientierten) BarCamps sehr viel mehr kommuniziert werden, um von vorn herein den Teilnehmern eine möglichst effektive Veranstaltung zu gewährleisten. Der Ansatz gegenüber einer konventionellen Konferenz ist ein anderer. Die Denkweise, das Internet zu mehr, als zum Buchen von Billigflügen zu benutzen hat sich bei vielen Internetnutzern noch nicht durchgesetzt.

7 Kommentare zu “Wie maximiere ich meinen Mehrwert bei BarCamps?”

  1. Steffen Büffel sagt:

    Coole Visualisierung! Gefällt mir!!! Wir sollten für das nächste EduCamp (bist du dabei???) da mal genauer drüber reden und schauen, wei man das Format modifizieren kann, um die Nachteile zu mindern…


  2. Christian Spannagel sagt:

    Aber jetzt schau mal, wie viel Nacharbeit im Educamp-mixxt-Bereich stattgefunden hat: praktisch keiner. Es gab einige Wiki-Seiten, auf denen sich etwas getan hat, aber im Wesentlichen von denjenigen Leuten, die auch im Vorfeld intensiv diskutiert haben. Mein Fazit: Es hängt ganz besonders von dem Willen der Teilnehmer, virtuell zu kooperieren, ab, wie viel virtuell kommuniziert wird. Und diejenigen Teilnehmer, die Lust auf virtuelle Kooperation haben, die möchten nicht bis nach dem BarCamp warten. So jedenfalls habe ich das in unserer Gruppe wahrgenommen. Ich jedenfalls halte eine virtuelle, gemeinsame Vorbereitung der Treffen für effektiver.


  3. Alexander Rausch sagt:

    Das wichtigste am BarCamp ist doch zunächst die Idee der Unkonferenz.
    Das heißt es geht darum, dass sich Menschen ohne Titel und Professur mit einem Thema spontan auseinandersetzen.

    Für mich macht es wenig Sinn über barcamp 2.0 oder Vor- und Nachteile auszutauschen, sondern vielmehr darüber was das entsprechende barcamp Format erreichen möchte!

    So kann es bei bestimmten Themen sinnvoll sein schon vorab auf einer Plattform zu diskutieren, aber bei einem anderen Thema ist vielleicht gerade die Spontanität und das unvorbereitet sein das Wichtige.

    Wir sollten nicht schon wieder im alten Paradigma denken und das ultimative Format wissenschaftlich belegen, sondern besser den open-source Gedanken und das Bewegen im neuen Paradigma üben ;-) )


  4. Hannes sagt:

    Ja, in der Tat war die Beteiligung im EduCamp-Wiki etwas mau. Aber ich denke, dass eben diese Möglichkeit der “Protokollierung” und Weiterarbeit auch einfach noch mehr kommuniziert werden muss. Bei den klassischen BarCamps klappt das auch sehr viel besser.

    Aktuell denken wir an der Uni nach, eine Veranstaltung, die als klassische Konferenz geplant ist, in das BarCamp-Format zu transferieren. Dabei würden wir aber auf das “Camp” im Namen verzichten. Das ganze würde ein Experiment, ob eine Konferenz mit Experten, Workshops und allem drum und dran im BarCamp-Format zu besseren Ergebnissen führt.

    Ein entscheidender Vorteil, den ich bei BarCamps sehe ist auch die Sessionplanung: Uninteressante Themen/Workshops würden gar nicht stattfinden, weil sich keine Teilnehmer zu der Session melden. Schon von daher hätte man höheres Output-Potential.


  5. Jean-Pol Martin sagt:

    Die Art und Weise, wie wir das Educamp vorbereitet und dann in Ilmenau genutzt haben, war für unsere Gruppe extrem fruchtbar. Das zeigt sich auch daran, dass wir in der Folge von Educamp das NEURON-Projekt mit entsprechender mixxt-Plattform gestartet haben, und dass auch hier ein hohes Aktivitätsniveau zu verzeichnen ist. Ob diese Art der Verwendung generalisiert werden soll, ist eine andere Frage. Aber “uneffektiv” war die ganze Sache für uns bestimmt nicht!


  6. Hannes sagt:

    Die nächsten BarCamps und das nächste EduCamp stehen vor der Tür – Zeit, diese Diskussion wieder aufzuwärmen.

    @Jean-Pol Martin: Sicher! Ich glaube sofort, dass Eure Session für Euch nicht uneffektiv war. Aber sie war es möglicherweise für diejenigen, die im Vorfelde nicht im Forum bzw. bei mixxt mitdiskutiert haben.
    Zum Open Source-Gedanken gehört m.E. auch, dass jeder Interessierte zu dem Thema Zugang hat. Und die Zugangsplattform ist in diesem Fall das BarCamp mit anschließender Fortführung auf Wikis, Foren usw.


  7. Jean-Pol Martin sagt:

    Prinzipiell war euer Angebot sehr nützlich und wir haben es so ausgenützt, wie es für uns am Effektivsten erschien. Eine Regel (oder gar Verpflichtung) soll man davon aber nicht ableiten, und das wollen wir auch nicht tun. Also danke für die perfekte Organisation in Illmenau und wir blicken mit Freude auf die Zukunft.


Kommentar schreiben