HANNESMEHRING

eLearning-Plattform Moodle ohne Datenschutzrisiko nutzen30.05.08

eLearning ist eine feine Sache. Man spart sich viele Wege, lernt in seinem eigenen Tempo, kann Passagen überspringen, die einen nicht interessieren oder einfach Begriffe nachschlagen ohne dass während dessen der Vortrag weiter läuft. Nur scheinen sich manche Entwickler solcher eLearning-Plattformen der durchaus wichtigen Datenschutzdebatten bislang entzogen haben. Anders lässt es sich nicht erklären, warum die Entwickler der Plattform Moodle ein Reportingtool programmiert haben, welches Statistiken über Kurse nicht anonym, sondern personenbezogen erstellt. Im Klartext: Moodle protokolliert jeden Klick jedes einzelnen Benutzers: Kursbesuch, Forumaktivität, Profiländerungen usw. Dies ist so nicht hinnehmbar.

Z. B. das Thüringer Datenschutzgesetz (ThürDSG) erlaubt, personenbezogene Daten zu erheben und zu verarbeiten, wenn es zur rechtmäßigen Aufgabenerfüllung der Universität in der Ausbildung von Studenten dient (§§ 19 und 20 ThürDSG). Doch leuchtet in diesem Fall die Notwendigkeit der personenbezogenen Daten in keiner Weise ein. Eine einfache Statistik würde völlig ausreichen. Deshalb an dieser Stelle eine Kurzanleitung, wie man sich in Moodle anonymisiert.

  1. Ziel ist es, ein Rauschen zu erzeugen. Das heißt, die Daten der Statistik so zu manipulieren, dass sie letztendlich keinen Aufschluss über einzelne Personen zulassen. Dazu ist es sinnvoll, dass sich alle Teilnehmer einer Moodle-Plattform den gleichen Namen geben.
  2. Einloggen bei Moodle mit Benutzernamen und Passwort
  3. In der oberen rechten Webseiten-Ecke auf den eigenen Namen klicken. Man kommt nun zu seinem Profil
  4. Auf Profil bearbeiten klicken
  5. Wir wollen uns alle Susanne Lehmann nennen. Dies unter Vor- bzw. Nachname eintragen
  6. Als eMail-Adresse eignet sich immer hervorragend bla@aol.com – sucht Euch irgendeine beliebige eMail-Adresse aus
  7. Unter Ort kann der Ort der Uni stehen bleiben. Das ist ja kein Geheimnis
  8. Bei der Beschreibung reicht die Eingabe eines Leerzeichens
  9. Nach unten scrollen und auf Profil aktualisieren klicken

Das war’s. Jetzt kann niemand mehr Rückschlüsse auf Dich ziehen. Im Forum kannst Du selbstverständlich weiterhin posten. Natürlich jetzt unter neuem Namen.

Noch was: Moodle bietet keine Möglichkeit das eigene Profil automatisch zu löschen. Wenn Du Dein Profil gelöscht haben möchtest, musst Du dazu eine Mail an den Administrator schicken.

9 Kommentare zu “eLearning-Plattform Moodle ohne Datenschutzrisiko nutzen”

  1. Thomas sagt:

    …und wiedereinmal fühlt sich jemand beobachtet ;-)

    Hallo Hannes,
    so ganz kann ich deine Meinung an dieser Stelle nicht teilen. Wo siehst Du denn genau das Problem, wenn zur Überprüfung der Seminaraktivität, Daten wie Kursbesuch, Forumaktivität usw. aufgezeichnet werden? Hier geht es doch nicht darum, dass Dein Tutor die gesammelten Daten meistbietend verkauft oder dass man Dich im Big-Brother-Stil überwachen möchte. Vielmehr geht es hier zum einen um Qualitätssicherung: wird ein E-Learning-Angebot überhaupt genutzt, wie lange, wo steigen die Nutzer aus, usw. – wofür sicherlich eine “einfache Statistik” reichen würde. Doch zum anderen dienen diese Statistiken der Bewertung (ganz im Sinne der von Dir zitierten §§ 19 und 20 ThürDSG). Im Gegensatz zu Präsenzseminaren, in denen Dich der Seminarleiter direkt beobachten und feststellen kann, ob Du Dich an Diskussionen beteiligst oder nicht, hat der Tutor über diese Tools die (einzige) Möglichkeit einen Bewertung durchzuführen. Wie sollte denn Deiner Meinung nach eine vernünftige Bewertung des Einzelnen in Online-Seminaren aussehen, wenn alle Studierenden Susanne Lehmann heißen?
    Beste Grüße,
    Thomas


  2. Hannes sagt:

    Hallo Thomas,
    es geht in der Tat hierbei nicht darum, Daten weiterzugeben oder zu verkaufen. Es geht hierbei darum, dass Daten von mir erhoben werden, die ich nicht beeinflussen kann und die für einen reibungslosen Ablauf nicht notwendig sind! Die Begründungen sind folgende:

    1. 1. Es handelt sich bei der Moodle-Plattform in diesem Fall um einen Ersatz der Vorlesung. Das heißt, eine Einzelbewertung ist überhaupt nicht notwendig oder gewünscht
    2. 2. Auch in einem Seminar kennt der Tutor oder Dozent meinen Namen in der Regel nicht
    3. 3. Ich studiere. Das heißt für mich vor allem nicht die Verlängerung der Schulbank und somit völlig freie Entscheidung über Lehrinhalte oder Art und Weise des Lernens. Ich entscheide ja auch für mich, ob ich eine Vorlesung besuche oder nicht
    4. 4. Den Tutor oder Dozenten geht es schlichtweg nichts an, wann ich lerne (Uhrzeit, Datum, Wochentag usw.) und wie lange ich woran sitze
    5. 5. Sollte eine Klausur schlecht ausfallen und sich anschließend herausstellen, dass die Online-Zeiten der Studenten auf der eLearning-Plattform sehr gering waren, gehe ich jede Wette darauf ein, dass die Schuld an dem schlechten Ergebnis zu aller erst bei den vermeidlich faulen Studenten gesucht wird und nicht etwa an langweiligen oder evtl. sogar schlechten Inhalten

    Mit der Anonymisierung liefern die Studenten schön Informationen über die Nutzung der Plattform insgesamt und verschleiern die Information, die den Tutor einfach nichts angehen.


  3. Thomas sagt:

    Hallo Hannes,
    ich gebe Dir insoweit Recht, dass es in einem vorlesungsbegleitenden Modul wirklich keinen Sinn macht ein User-Tracking (abgesehen von dem, welches unabhängig von Moodle soundso auf dem Server via IP-Adressen protokolliert wird) durchzuführen, in dem keine Einzel-Bewertung stattfinden soll. Da sollte man transparent darauf hinweisen, dass das benannte Tool deaktiviert ist.
    Zu 2. kann ich nur sagen, dass das sicherlich in Präsenzseminaren so sein kann. Zum Teil gibt es aber online Lehr-Lernarrangements, die eine andere Bewertung, als durch das User-Tracking und die Messung von Aktivität in Foren nicht zulassen (z.B. Fernstudienkurse).
    Zu 3.: Sicherlich ist es wichtig, dass man sich in seinem Studium ausbreitet und neue Wege beschreitet (ob das seit Bologna überhaupt noch möglich ist, sei mal dahingestellt), doch gibt es in jedem Studium Grundlagen-Seminare, bei denen es einfach notwendig ist, sicherzustellen, dass die Studierenden zumindest das Mindestmaß an Wissen über die Module erworben haben bzw. dies zumindest einmal gesehen haben. Darüberhinaus kann man sich immer zusätzlich informieren. So kann der Dozent 100x sagen, dass die Grundlagen-Texte des Medientheorie-Readers wichtig sind, doch ob ihr diese zumindest gelesen habt, weiß er nicht.
    Zu 4.: Da gebe ich dir ein Stück weit Recht, obwohl es dem Dozenten sicherlich nicht darum geht, ob du um drei Uhr nachmittags oder 3 Uhr in der Nacht ein Modul durchgearbeitet hast. Ihm sollte es nur darum gehen, ob Du es dir überhaupt angeschaut hast.
    Zu 5.: 100% Zustimmung. Die Daten sollten nicht zum Selbstzweck erhoben werden. Vielmehr sollten sie neben einer Bewertungsgrundlage/-richtlinie des Studierenden auch Evaluation der Module selbst bedeuten.

    Bei der Anonymisierung bleibt die Frage, wie vernünfige Forumsdiskussionen entstehen sollen, wenn alle Susanne Lehmann heißen?

    Beste Grüße,
    Thomas


  4. Martin sagt:

    Hallo Thomas & Hannes,

    ich habe schon öfter den Versuch des Einsatz von Moodle erlebt und muss sagen, dass in keinem Fall ein Lehrender sich auch nur Gedanken um die Sinnhaftigkeit und den Wert dieses Tools und seiner eigenen, für die Studierenden bereitgestellten Inhalte gemacht hat. Auch die dem Nutzer ermöglichten Aktionen (Dateien hochladen, im Forum posten und sich einen Terminkalender erstellen) sind derart überflüssig, dass zum Beispiel eine vernünftige Forumsdiskussion nie entstanden ist.

    Dort hinein spielt sicher auch, dass die Programmierung des Tools Moodle nicht eine sinnvolle Lernplattform, sondern eher eine Krücke hervorgebracht hat, die nun eingesetzt wird, mit der Begründung “wir haben nix anderes”.

    Zu deiner eingänglichen Frage, wie eine vernünftige Bewertung des Einzelnen in Online-Seminaren aussehen sollte, ist meine Meinung, dass der Output zählt. Bei einer Veranstaltung, in der wie bei Wissensmanagement 2.0 sämtliche von den Studierenden erarbeiteten Beiträge in einem Wiki festgehalten werden, sollte die Bewertung letztenendes auf das abzielen, was am Ende herauskommt. Unsinnig hingegen finde ich eine statistische Bewertung, wie lang sich wer mit was beschäftigt hat, wieviel er hochgeladen und wie viele Forenbeiträge er geschrieben hat.

    Wenn zum Ende eines Online-Seminars die studierenden gemeinsam etwas erarbeitet haben, so sollte dies die Grundlage für eine Bewertung sein. Mit Moodle ist das gemeinsame Erarbeiten leider nicht möglich, deswegen ist jedes kostenlose Mediawiki ein besseres Tool als Moodle.

    So auch von mir ein “Daumen hoch” für Susanne Lehmann – allein aus Frust über die Plattform.

    Martin


  5. jo... ke... sagt:

    im betreffenden fall, einer vorlesung im gebiet der medien- und kommunikationswissenschaften, verstehe ich das moodle angebot des profs als ersatz für einzelne vorlesungen. ein austausch der studierenden über moodle wurde in diesem nicht bzw. kaum von dem prof thematisiert. ich verstehe sein moodle angebot daher eher als reader in multimedialer form. daher halte ich die menge der erhobenen daten für zu hoch. zudem es ist wieder bedauerlich, dass erst *nach* (m)einem einwand zu der veröffentlichung einer datenschutzerklärung der gekommen ist. btw. mein tipp in diesem fall: alle nutzen ein login.


  6. jo... ke... sagt:

    edit: ein austausch der studierenden über moodle wurde in diesem FALL nicht bzw. kaum von dem prof thematisiert.

    edit2: mit dem wort ‘wieder’ im vorletzten satz wollte ich auf folgende seite verweisen: http://tutorblog.elearning2null.de/index.php/2008/01/20/stellungnahme-neue-rahmenbedingungen-fuer-den-einsatz-von-blogs-im-seminar-elektronische-dokumente/


  7. Hannes sagt:

    Ich möchte durch diese Diskussion keinesfalls den Eindruck aufkeimen lassen, dass eLearning-Plattformen per se unnütz oder lästig sind. Aber das o.g. Beispiel für Datenmissbrauch ist einfach ein Beispiel dafür, dass bei der Entwicklung einer solchen Anwendung nicht weniger Sorgfalt walten darf, als z.B. bei dem Schreiben eines Lehrbuches.

    Nur weil man in einem anderen Kommunikationsverhältnis zu den Lernenden steht, heißt das nicht, dass man die technischen Möglichkeiten vollkommen ausschöpfen sollte und dann auch noch auf den Hinweis zur fehlenden Datenschutzerklärung mit “Unser Datenschutzbeauftragter ist leider seit vielen Monaten erkrankt [...]” antwortet. Das ist einfach ein No-go.

    Dramatisch wird es in diesem Fall vor allem dadurch, dass es kaum schlimmer hätte kommen können mit dem Missbrauch von personenbezogenen Daten. Eigentlich wäre die nächste Stufe nur noch der Verkauf der Informationen gewesen; ohne Datenschutzerklärung an sich kein Problem.


  8. Mark sagt:

    Hallo Hannes,

    als “Lehrer” an einer allgemeinbildenden Schule habe ich naturgemäß eine ganz andere Sichtweise als Studierende oder Dozierende.
    Wir sind gehalten, die Schüler auch digital zu begleiten und – ja auch – zu kontrollieren.
    Mich stören an der obigen Diskussion ein grundlegender Aspekt:

    Wenn ein Programm nicht richtig benutzt wird, z.B. Interaktion und Kommunikation nicht von den Dozenten iniitiert werden, dann liegt das natürlich an der fehlenden Kompetenz der Lehrenden. Die (sinnvolle) Nutzung von LMS in der Bildung ist immer noch kein Allgemeingut. Da brauchen Dozenten wie Lehrer mindestens weiter 10 Jahre.

    Diese Aussage:

    “Aber das o.g. Beispiel für Datenmissbrauch ist einfach ein Beispiel dafür, dass bei der Entwicklung einer solchen Anwendung nicht weniger Sorgfalt walten darf, als z.B. bei dem Schreiben eines Lehrbuches.”

    ist somit nicht berechtigt. Moodle ist weder nur für die Uni, noch nur für Deutschland gemacht worden. Die Weltgemeinschaft, die hinter Moodle steht, kann nicht für jedes Land und jeden Einsatzzweck eine Lösung anbieten. Bei welcher Software ist dies schon der Fall?

    Gruß
    Mark


  9. Susanne Lehmann sagt:

    Wir denken im ASTA darüber nach eine derartige Empfehlung heraus zu geben. Wie stellt man sicher, dass man dennoch in der jeweiligen Veranstaltung als Teilnehmer erfasst wird? Muss man sich für jeden Kurs zunächst mit seinen richtigen Daten anmelden und im zweiten Schritt jeweils anonymisieren?
    Lg, Susanne


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