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Mediacampus reloaded

Frederike ist guter Dinge. Sie hat eine Zusage für eine Stelle in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit in der BMW-Zentrale in München erhalten. Mit dieser Zusage hat sie sich unter fast 50 Bewerbern und Bewerberinnen durchgesetzt. „Wenn man ehrlich ist“, rekapituliert sie, „habe ich schon etwas damit gerechnet, dass sie mich nehmen.“ Die Stimmung im Praktikum sei sehr vielversprechend gewesen. Frederike ist Absolventin der TU Ilmenau, hat „im grünen Herzen Deutschlands“ Angewandte Medienwissenschaften (AMW) studiert. Jeder und jede AMW-Studierende „kauft“ mit seiner Immatrikulation ein Pflichtpraktikum im fünften Semester mit. Damals hat sie, erinnert sich Frederike, knapp 30 Bewerbungen verschickt und konnte sich letztendlich zwischen sechs Unternehmen eines aussuchen. Sie entschied sich für BMW – kann ja nicht schlecht sein für den Lebenslauf. Dass ihr diese Entscheidung später einmal einen Job bringen könnte, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die TU Ilmenau ist den Personalentscheidern bei BMW durchaus ein Begriff. Die Universität in Thüringen ist bekannt für die guten Fahrzeugtechnikingenieure, die Jahr für Jahr ihr Diplom machen. Bewirbt sich ein Ingenieur aus Ilmenau, wird nicht lange überlegt. Und genau das ist das Problem.
So ähnlich könnte man sich eine Situation auf dem heutigen Arbeitsmarkt vorstellen.

Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele fest angestellte Hochschulabsolventen zuvor in dem gleichen Unternehmen ein Praktikum gemacht haben. Schenkt man jedoch dem Volksmund Glauben, so ist das durch ein Praktikum erzeugte „Vitamin B“ wichtiger denn je. Wenn ein Hochschulabgänger Glück hat, dann absolvierte er das Praktikum während der Regelstudienzeit. Viele halten sich jedoch nach dem Abschluss teilweise mehrere Jahre mit Praktika über Wasser, ehe sie einen adäquaten Job finden[1].

Studierende auf dem Campus der TU IlmenauWäre es nicht viel angenehmer, wenn man als Medienwissenschaftsstudent – ähnlich, wie die Ingenieure – einfach von dem guten Ruf seiner Universität profitiere? Einige Unternehmen arbeiten eng mit der TU Ilmenau zusammen. Darunter namenhafte Kandidaten, wie Audi und Porsche. Wünschenswert wäre dies für den Mediensektor an der TU genau so, nur hat dieser ein Problem: Die drei Medienstudiengänge (Medienwissenschaft, Medienwirtschaft und Medientechnik) werden etwas stiefmütterlich behandelt. Studentinnen und Studenten dieser drei Fachrichtungen machen mittlerweile gut ein Drittel aller Studierenden an der TU aus, spielen dabei eine wichtige Rolle, um die Studierendenzahlen konstant zu halten und dennoch stehen ihnen am wenigsten finanzielle Mittel zur Verfügung (relativ, wie absolut). Dies liegt nicht an einem schlechten Haushalt der Universitätsleitung, sondern vielmehr an fehlenden Drittmitteln der sonst im Geld schwimmenden Medienunternehmen. Progressive Forschung macht das fast unmöglich, eine Spirale nach unten.

Genau dieser verzwickten Lage haben sich vor gut zwei Jahren einige Studierende der Medienstudiengänge in Ilmenau angenommen und ein Konzept ausgearbeitet. Die Idee ist die Dachmarke „Mediacampus Ilmenau“, die in der Medienbranche ein bekannter Name werden soll. Unternehmen sollen auf die TU verstärkt aufmerksam gemacht werden, schlussendlich Absolventen verbesserte Jobchancen bescheren sowie mehr Drittmittel an Land ziehen.

Wie es der Gang der Natur mit sich bringt, verlassen Studenten eine Hochschule meistens genau so schnell wieder, wie sie gekommen sind. So hatte dies leider zur Folge, dass das Projekt nach 2006 zum Erliegen kam. Nun hat sich eine Gruppe überzeugter Studenten aus den jüngeren Semestern dazu entschlossen, das Projekt „Mediacampus Ilmenau“ wieder aufleben zu lassen.

Mittelfristiges Ziel des Projektes ist es, alle öffentlichen Medienprojekte unter der Dachmarke zusammen zu fassen und zu präsentieren. Darüber hinaus soll „Mediacampus“ auch Ideengeber für neue Projekte werden und Unternehmen national wie international dazu zu animieren, mit Studenten der TU Ilmenau zusammen zu arbeiten. Ein längerfristiges Ziel könnte sein, Unternehmen anzuregen, sich in der Nähe der TU für gemeinsame Projektarbeit niederzulassen, so wie es bei Hightechunternehmen schon lang Gang und Gebe ist.

Dieses Projektblog wird den Werdegang des Projektes „Mediacampus Ilmenau“ begleiten und umfangreich berichten.


[1] DIE ZEIT: Generation Praktikum


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