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Die ersten Monate des Studiums der angewandten Medienwissenschaften sind um und es geht stark auf die erste Klausurphase zu. Angestoßen durch das Fach “Elektronische Dokumente” (Blog) wurden alle Studenten dazu aufgefordert, sich einen Weblog anzulegen und diesen als E-Portfolio zu verwenden. Dieser Aufruf löste sofort die üblichen kritischen Stimmen von Blog-Gegnern und all denen mit Angst vor “Exhibitionismus” aus.
Die Gründe, die jedoch für ein E-Portfolio sprechen, sind vielfältig und gehen meiner Meinung nach über die Mehrwerte, die Marcel Kirchner im Tutorblog anspricht, hinaus.
Es gibt da eine Zielgruppe, für die ein E-Portfolio ganz besonders infrage kommt. Ich möchte kurz vorstellen, wen ich meine:
Studierende eines Medienstudienganges.
Hört man sich im Semester um, so scheint sich ein Großteil vom Studium der Medienwissenschaften einen Job in den klassischen Medien zu versprechen. Fernsehen, Radio und Printpresse sind jedem allgegenwärtig. Völlig klar, dass die Gesellschaft hier junge Interessierte ausspuckt, die auch mal hinter die Kulissen schauen möchten. Aber machen sich jene Personen darüber Gedanken, dass es gerade bei den klassischen Medien zu einer Art Diversifikation der Informationsverbreitung und Unterhaltung kommt?
Für Radio, Fernsehen und Printpresse werden die neuen Medien immer wichtiger. Sie werden in Zukunft eine Komplementärbeziehung eingehen. Es gibt viele bekannte Beispiele, in denen sich ein klassisches Medium durch ein neues Medium erweitert (tagesschau, Spiegel Online, Süddeutsche, Radio fritz, 1live usw.). Wer sich auf den “Über uns”-Seiten der Sender und Rundfunkanstalten umsieht, wird immer häufiger feststellen, dass es Mitarbeiter gibt, die ausschließlich das Onlineangebot betreuen. Auf radioszene.de findet man regelmäßig Jobangebote für Onlineredakteure und Kompetente Miatarbeiter, die den Ausbau der Onlinepräsentation des Senders begleiten.
Es ist einfach ein Irrglaube, zu denken, dass man sich in Zukunft bei klassischen Medien ohne ausgeprägte Webkompetenzen gegen die Bewerber-Konkurrenz durchsetzen kann. Anders mag dies bei Journalisten, Redakteuren oder Politikwissenschaftlern sein. Wobei selbst da hat man schlechte Karten, wenn man glaubt ein CMS sei eine seltene Krankheit.
Kann man bei einer Bewerbung nun neben dem Papieranschreiben und dem Papierlebenslauf auch ein E-Portfolio verweisen, welche sogar unter Umständen ein moderner Weblog ist, dann ist dies immer ein Nachweis, dass man sich mit der Materie Web bereits auseinander gesetzt hat und vielleicht sogar eine Affinität zum “social networking” hat – und genau das ist es, wonach alle klassischen Medien durch ihre Diversifikation streben. Warum sonst bietet faz.net auf einmal die Möglichkeit an, den Artikel bei del.icio.us zu bookmarken? Warum sonst hat man die Möglichkeit zu einem Artikel auf golem.de einen Trackback zu setzen?
Marcel Kirchner gibt seinen Studenten die Aufgabe, als ersten Artikel im persönlichen E-Portfolio einen Rückblick auf die vergangen erste Studienmonate zu schreiben.
Mein Rückblick stellt vor allen Dingen fest, dass es offenbar kaum Kommilitonen gibt, die sehen, dass wir eine Welt der modernen Medien (und ich meine nicht neuen Medien) vor uns haben.
Hallo Hannes,
vielen Dank für Deinen Beitrag! Ich denke er ist eine sehr gute Bereicherung für die angesprochenen Mehrwerte und zeigt die Relevanz vor allem für angehende Medienwissenschaftler treffend auf!